Honig ist einfach so viel mehr!

Honig ist einfach so viel mehr.
Wenn ich morgens ein Eimerchen davon abfülle,
ist mir gelegentlich so, als wöge ich Lebensfreude in Gläser.
Oft denke ich dabei an die lachenden Gesichter lieber Menschen.
Oder die Feriengäste aus ganz Europa in Simones Pension.
Wie sie zusammen beim Frühstück sitzen und ihnen dieser Honig Freude bereiten wird.
Für mich als Imker ist Honig noch viel mehr.
Für mich ist Honig das Ergebnis einer Art selbstloser Zuversicht meiner Bienenvölker. Sie schleppen die ganze Saison Futter für Bienen heran, die die wenigsten von ihnen je kennenlernen werden. Für ihre Winterschwestern, nicht für euch, seit 2 Millionen Jahren genau so, ganz ohne Imker.
Dass sie mir trotzdem Honig für euch lassen, ist ihrer Klugheit geschuldet.
Die historischen Zeidler waren keine Bienenhalter, sie waren Feinde, zerstörten in ihrer Gier, genau wie der Bär. Und auch die romantisierte Stülpbeute aus Stroh mündete im Tod des Bienenvolkes.
Doch seit der Erfindung der Magazin-Beute halten sich Bienenvölker Imker.
Wem sie diese Ehre geben, wer ihnen anverwandelt wird, entscheiden die Bienen. Wer das dann auch noch annehmen kann, darf teilhaben an der selbstlosen Zuversicht der Wesenheit.
Mir ist das geschenkt und ich habe es in Dankbarkeit angenommen.
Ich persönlich habe mich mit meinen Völkern auf eine Art Komplizenschaft geeinigt. Wenn ich sie ordentlich pflege, gefälligst vermehre, zuverlässig entmilbe und im Herbst ordentlich auffüttere,
darf ich zwischendurch maximal 30 % ihres Umsatzes als Honig aus dem Kreislauf entnehmen.
Seither schwärmen mir Königinnen in die Hand, weil sie offensichtlich bei mir bleiben wollen. Und ich hatte diese Saison sicher weniger Stiche als Bienenvölker.
An dieser Perspektive auf das leckere, klebrige Zeug, das ihr morgen früh wieder genießt, wollte ich euch teilhaben lassen. Lasst es euch schmecken.
Martin Schuler / 6.8.2026







